Mit biblischen Geschichten
Lebenschancen entdecken

Religionspädagogische Blätter Heft 1
M.Best / U. Brenner / H.-J. Schlicht

 

Inhaltsverzeichnis

1. Mehmeds Weg auf der Suche nach seinem Haus (zu Lk 19,1-10)
2. Wie der kleine Drache aus seiner Höhle fand (zu Mk 7,31-37)

Vorwort

Mit diesem Heft wird eine Reihe eröffnet, die in lockerer Folge religionspädagogische Versuche von Absolventinnen der Ketteler - LaRoche - Schule vorstellt. Die Beiträge zeigen, welche religionspädagogischen Handlungsmöglichkeiten im Kindergarten, Hort und Heim bestehen.

Daneben wird es Veröffentlichungen geben, die Einsichten aus der religionspädagogischen Fortbildung systematisch darstellen. Die vorfindliche religionspädagogische Praxis in verschiedenen Tätigkeitsfeldern, sowie die praktischen Versuche von Berufspraktikantinnen, werden auf Probleme und Herausforderungen befragt, dann auch auf ihre besseren Möglichkeiten hin geprüft.

Das vorliegende erste Heft enthält zwei Aufsätze, die zeigen, wie auf ungewöhnliche Weise mit biblischen Geschichten im Kindergarten gearbeitet werden kann. Beide Beispiele veranschaulichen, dass einem Kind aufgrund einer biblischen Geschichte Verstehenshilfen in einer Entwicklungskrise angeboten werden. Im ersten Fall geschieht das direkt. Die Erzieherin liest und betrachtet mit einem Kind die Zachäusgeschichte (Lk 19,1-10). Im zweiten Fall dient die Geschichte von der wunderbaren Heilung eines taubstummen Menschen (Mk 7,31-37) der Erzieherin als Interpretationsfolie, mit der sie die anliegende pädagogische Aufgabe deutet und konstruktive Handlungsmöglichkeiten entdeckt. Einmal wird ein biblischer Text unmittelbar zur Deutung einer kindlichen Lebenssituation angeboten. Das andere Mal dient der Bibeltext der Erzieherin selbst zum besseren Verständnis eines Kindes.

Biblische Geschichten vermitteln Kindern wie Erwachsenen vor jeder verbindlichen theologischen Deutung Bilder und Symbole, die zu einer intuitiven Neuinterpretation einer aktuellen Lebenssituation herausfordern. Sie eröffnen - wie die Aufsätze zeigen wollen - einen erfahrungsbezogenen "Sprachraum", der jeder begrifflich genauen Deutung eigener Erlebnisse und Eindrücke vorausläuft. So fördert das Vorlesen oder Erzählen biblischer Geschichten eine subjektive Aneignung religiöser Weisheit, die öffnen kann für die Geistesgegenwärtigkeit Gottes. Beide Aufsätze zeigen Wege, diese göttliche Geistesgegenwärtigkeit zu erschließen, besser noch: sich von ihr im pädagogischen Tun beflügeln zu lassen.

Eine elementare Methode ist die Öffnung des symbolischen Reichtums der Geschichten, wie auch in einem jesusähnlichen Zusammensein mit Kindern. Durch heilsame Erfahrungen miteinander, können Kinder für das Heilshandeln Gottes sensibilisiert werden. das handeln der Erzieherinnen legt einen Grund, der späterhin auch ausdrücklich theologisch entfaltet werden kann. Zunächst aber ist die Erfahrung wichtig, dass mit biblischen Geschichten (Tradition) erkannt werden kann, wie es um Menschen bestellt ist (Situation) und welche Wege in kritischen Lebenslagen begangen werden können, um einen Lebensgrund zu finden.

Dieses Erfahren ist, wie die dargestellten Beispiele zeigen, keine einbahnige Vermittlung von der Erzieherin zum Kind. Überraschende Erfahrungen - und Gottes Geistesgegenwärtigkeit ist überraschend - sind wechselseitig bereichernd, lassen auch eine Erzieherin erfahrener werden. Einer gültigen theologischen Überzeugung entsprechend, offenbart sich Gott in Begegnungen.

Ich hoffe, dass die beiden religionspädagogischen Versuche Sie ermutigen, biblische Geschichten in die pädagogische Arbeit mit einzubeziehen. Dazu braucht es nicht erst der vermeintlichen Sicherheit einer theologisch ausgereiften Schriftauslegung. In erster Linie bedarf es einer außerordentlichen Wachheit und Einfühlsamkeit für das, was Menschen bewegt. Dazu die Fähigkeit, die Schwingungen zu hören und aufzunehmen, die die Bilder und Symbole biblischer Geschichten in uns auslösen.

H.-J. Schlicht

Preis: 3,- €

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