Sterben und Tod im Leben des Menschen
Religionspädagogische Blätter Heft 6
O 3 / O 4 98/99 hgg. von H.-J. Schlicht

 

1. Hinführung

Heft 6 in der Reihe "Religionspädagogische Blätter" dokumentiert erstmals Arbeiten von Studierenden. Es ist ausschließlich zum Gebrauch im Unterricht verfasst und als Anregung für Berufspraktikanten gedacht. Die hier zusammengestellten "Hefte", sind Abschlussarbeiten eines Oberstufenkurses zum religionspädagogischen Thema:
"Mit Kindern über Sterben und Tod sprechen lernen.".

Die Studierenden lernten in jeder Woche eine Geschichte oder persönliche Erinnerung an Sterbe- und Todeserfahrungen kennen:

 

  • "Der Tod des Sokrates" aus: PHAIDON nach der Schleiermacherschen Übersetzung [65.-67]; Platon. Sämtliche Werke Bd. III. Reinbek 1968. S. 64-66.
  • "Der Tod des Großvaters" aus: N. Kazantzakis. Rechenschaft vor El Greco. M6uuml;nchen 1978. S. 59-62.
  • "Der Tod als Freund und Feind" aus: Brüder Grimm. Der Gevatter Tod. München 1984. S. 247-250.
  • "Der Tod meiner Frau" aus: K. Wilber. Mut und Gnade. München 1996. S. 429-439.

 

Die Geschichten weckten eigene Erinnerungen und Erfahrungen mit Sterbenden, mit dem Tod von Freunden, Verwandten oder an den Verlust eines geliebten Tieres. So konnte ein Sprachraum geöffnet werden, einander persönliche Eindrücke, Erlebnisse, Fragen und Deutungen mitzuteilen.

Die subjektive Recherche zum Thema, führte dann weiter zur Auseinandersetzung mit Fragen, wie Kinder Sterben und Tod erleben, wie in unserer Gesellschaft mit Toten umgegangen, wie der Toten gedacht und der Tod interpretiert wird. Die Studierenden prüften entwicklungspsychologische Informationen, befragten Kinder und Erwachsene. In der Unterstufe hatten die Studierenden im Fach Kinder- und Jugendliteratur etliche Bilderbücher zum Thema Sterben und Tod kennengelernt. Die Sacherkundung auf dem Buchmarkt wurde nun mit einer religionspädagogischen Fragestellung erweitert.
Inwieweit können Bild-Text-Geschichten eine eigene Haltung und Einstellung zum Tod unterstützen und inwieweit können Buchmedien helfen, mit Kindern in ein verstehend-tröstendes Gespräch zu kommen?

Für etliche Studierende der Religionsgruppe blieb die Auseinandersetzung mit Sterben und Tod nicht nur ein Unterrichtsthema. Durch die Selbsttötung einer Mitstudierenden in der Vorweihnachtszeit entstand ein Lebensthema. Die Studierenden reagierten irritiert und verwirrt. Sie fragten nach Verantwortung und Schuld, trösteten und ermutigten einander. Zusammen mit der Klassenlehrerin suchten die Studierenden, ihrem Entsetzen, ihrer Ratlosigkeit, auch ihrem Unverständnis Ausdruck zu geben. Die Klasse gestaltete einen Trauergottesdienst in der Schule mit. Die Studierenden nahmen Kontakt mit den Eltern ihrer toten Mitstudierenden auf. Bei der Beerdigungsfeier gingen sie zum Grab ihrer Mitstudierenden. Es war kein leichter Gang für alle Beteiligten. Unausweichlich fragten sie sich, was versäumt und übersehen wurde, wieso und inwiefern sie ihre Mitschülerin nicht hatten ermutigen können, wirklich zu leben.

"Leben wir eigentlich, um zu sterben oder sterben wir, damit wir leben?" -,schrieb eine der Kursteilnehmerinnen. Die Erfahrung von Tod mitten im Leben wurde als Anfrage an das eigene Leben wahrgenommen. Wie leben wir denn eigentlich? Was ist uns wichtig und wertvoll? Woran können wir uns orientieren, um unserem Leben eine sinnvolle Richtung zu geben? Was können wir tun, um einen tragfähigen Lebensgrund zu finden.?

Am Ende des religionspädagogischen Kurses stand den Studierenden zwei Monate zeit für eine Hausarbeit zur Verfügung. Sie sollten ein Heft zusammenstellen, das für einen bestimmten Adressatenkreis bestimmt war: Für Eltern von jüngeren Kindern, für ErzieherInnen, für Kinder oder Jugendliche oder für eine eigene Auseinandersetzung mit dem Phänomen Tod. Die Studierenden sollten selbständige Materialien und Texte finde, zusammenstellen und kommentieren. Im Heft sollte wenigstens eine Buchvorstellung zum Thema Platz finden und eine eigene Auseinandersetzung deutlich werden. Die Ergebnisse dieser Hausarbeiten sind hier dokumentiert. Die Text- und Bildseiten sind weitgehend so wiedergegeben, wie sie in den Einzelheften der Studierenden auftauchen. Es wurde auf die Korrektur der Rechtschreibefehler und grammatikalischer Unstimmigkeiten verzichtet. Fast durchgängig haben die Studierenden auf die von ihnen benutzten Quellentexte aufmerksam gemacht oder ergänzende Literaturhinweise in ihr Heft aufgenommen. nicht ersichtlich ist jedoch im einzelnen, wo indirekt oder direkt zitiert wird.

Die Arbeiten sind auf drei Abschnitte verteilt. Im ersten und umfangreichsten, sind Anregungen für Eltern und ErzieherInnen aufgenommen. Der zweite Abschnitt besteht aus einem originellen Versuch, das Thema Tod für Jugendliche zugänglich zu machen. Der dritte Abschnitt enthält Anregungen, die stärker der eigenen Auseinandersetzung und Orientierung dienen können. Am Ende des Heftes gibt es zwei Übersichten. Die eine enthält in alphabetischer Folge die von Studierenden verwendete Literatur, die andere die in den Einzelheften vorgestellten Geschichten bzw. Kinderbücher.

Ich bedanke mich bei den Studierenden des Kurses. Dank für den freimütigen Austausch in der Lerngruppe und die zusammen getragenen Erfahrungen. Mit Freude und Nachdenklichkeit habe ich ihre Arbeiten gelesen. Die Arbeiten begreife ich auch als Geschenk, als respektable Mitteilungen über ein gemeinsames Lernen, das diesen Namen verdient.

Oberursel, März 1999 / H.-J. Schlicht

Preis: 5,- €

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